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Die Verwertung Doch damit, dass der Film endlich fertiggestellt ist, ist es noch lange nicht getan. Nun tritt eine weitere große Gruppe von Menschen auf den Plan, die mit der Herstellung des Films gar nichts oder nur wenig zu tun hatte: jene Menschen, die sich mit der Verwertung des Films beschäftigen. Der Begriff „Verwertung“ sagt schon, dass das etwas mit Geld zu tun hat. Der Produzent muss das in den Film investierte Geld durch die Verwertung (z.B. Kino, Video, Fernsehen) wieder zurückerhalten. Denn der Produzent trägt ein hohes finanzielles Risiko und benötigt Kapital zur Entwicklung und Herstellung weiterer Filme.
Zumindest auf dem internationalen Markt beginnt die Verwertungskette schon sehr früh: In Hollywood sowieso, denn die großen Hollywood-Studios (Universal, Paramount, Disney, Warner, Sony, 20th Century Fox) haben ihre Verleihfirmen in vielen Ländern und vertreiben auf diesem Weg ihre Filme direkt, ohne Zwischenhändler.
Die neueste Entwicklung geht dahin, dass Hollywood diesen Zweigstellen alles vorgibt – von der Werbelinie, die eingeschlagen wird, über das Werbebudget bis hin zum Starttermin, der in letzter Zeit immer öfter – als Reaktion auf die meist wenige Tage nach dem Filmstart in den USA von Filmpiraten veröffentlichten Raubkopien – weltweit am selben Tag erfolgt, ist alles reglementiert.
Der Weltvertrieb Wo dieses Modell nicht angewandt wird – und das ist die überwiegende Mehrzahl der Filme (vor allem die europäischen Filme) - befassen sich Weltvertriebe (World Sales Agents) mit der Erstverwertung. Sie zahlen an die Produktionsfirma so genannte Minimumgarantien (oft wird diese Summe zur Finanzierung des Films verwendet), um sich Weltrechte für einen Erfolg versprechenden Film schon sehr früh zu sichern. Auf großen Filmmessen (etwa dem American Film Market in Santa Monica oder bei der MIFED in Mailand), bei Festivals ( Cannes ), aber auch mit Hilfe einer Art „Stammkundensystem“ versucht nun der Weltvertrieb, den Film zu einem möglichst guten Preis an die Vertriebe in den einzelnen Ländern (bzw. „Territorien“ – Österreich, Deutschland und die Schweiz etwa bilden im Fachjargon ein „Territorium“) zu verkaufen. Österreich ist dabei meist vom deutschen Markt abhängig; Filme, die in Deutschland keinen Vertrieb finden, kommen in der Regel auch nicht nach Österreich.
Man darf sich keineswegs der Illusion hingeben, ein Film, wenn er einmal fertig ist, würde auf jeden Fall ins Kino kommen – ganz im Gegenteil. Manche werden immerhin von Fernsehstationen gekauft, die einen immer größeren Programmbedarf haben, aber nur ein verschwindender Bruchteil aller weltweit produzierten Filme schafft es überhaupt auf die große Leinwand, und wenn, dann meist nur in ihrem Heimatland. In Europa verlässt ein hoher Prozentsatz (bis zu 80%) der Filme nicht den eigenen nationalen Markt. Europäische Filme leiden – trotz verschiedener vertriebsfördernder Maßnahmen seitens der EU – manchmal darunter, dass sie schon wenige Kilometer jenseits ihrer Grenzen nicht mehr interessant oder nicht mehr verständlich sind, z.B. weil sie von einer regionalen Art von Humor geprägt sind, die man anderswo in Europa nicht zu teilen vermag. Dieses Schicksal teilt auch der österreichische Film, der in den seltensten Fällen über Deutschland bzw. die Schweiz hinauskommt – die wenigen Ausnahmen bestätigen die Regel. Dokumentarfilme, besonders solche, die ein globales Anliegen haben, haben es da meist leichter.
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