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„Die Geschichte des Films hat zwei Anfänge“, schreibt der Filmhistoriker Mark Le Fanu: „Den ersten, als die fotografischen Bilder sich zu bewegen begannen, den zweiten, als zwei Filmstreifen zum ersten Mal zusammengefügt wurden.“
Der Cutter ist für das Erscheinungsbild des Filmes verantwortlich, indem er das gedrehte Material auswählt, in eine Abfolge bringt und durch das gezielte Timing Spannungsbögen entstehen lässt. Die Bestimmung, was im Film wann und wie lange gezeigt wird, entscheidet wesentlich die gesamte Filmerzählung. Nicht umsonst wird der Schnitt als „das zweite Drehbuch“ bezeichnet: Charaktere können verstärkt oder geschwächt werden, ganze Szenen können in der Reihenfolge vertauscht oder weggelassen werden. Die Wahl einer Einstellung (z.B. Totale, Nahe, Kamerafahrt oder Starre) für einen gewissen Moment beeinflusst die Handlung und deren Auswirkungen auf den Zuschauer sehr stark. Eine Geschichte kann unter Umständen durch den Schnitt anders erzählt werden, als sie ursprünglich gedacht oder gedreht war – was uns aus Zeiten der politischen Zensur bekannt ist.
Bei einem Dokumentarfilm ist die Arbeit des Schnitts noch auffälliger: Hier entsteht sehr oft die gesamte Filmhandlung am Schneidetisch, aus den meist großen Materialmengen, die viel Unvorhergesehenes beinhalten, liegt es am Cutter, sinnvolle Handlungselemente herauszufiltern und zu einem Ganzen zu formen.
Im deutschsprachigen Bereich sind unterschiedliche Bezeichnungen für den Vorgang des Schnitts üblich: Die Nennung „Schnitt“ bezeichnet den trennenden Vorgang des Schneidens, das französische „Montage“ stellt den konstruktiv-zusammenfügenden Charakter des Schnitts aus, und „Editing“ bezieht sich auf das gesamte Erscheinungsbild, die Herausgabe des Films. Voraussetzungen für den Beruf des Cutters sind sowohl technisches wie auch künstlerisches Talent, die Fähigkeit zur Analyse aber auch zur Hingabe an das Material, Rhythmusgefühl wie auch eine Intelligenz für dramaturgische Bögen, die Begabung zur Selbstständigkeit wie auch zur Einfühlung in andere.
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