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Ein kurzer Blick zurück – die Geschichte des MP3-Formats
Was ist MP3?Die Entwicklung des Formats begann schon 1984 am Fraunhofer-Institut in Erlangen. Die Idee dahinter: eine möglichst verlustfreie Kompression von Audio-Dateien zu erreichen und die Dateigröße auf das Minimalste zu reduzieren. Mit vorherigen Verfahren war eine Datenreduktion nicht möglich, ohne den Klang zu entstellen. 1992 wurde das Kodierverfahren von der Audiogruppe Moving Picture Expert Group standardisiert, den Dateinamen .mp3 gibt es seit 1995.
MP3, eigentlich MPEG-1 Audio Layer 3, ist eine Multimedia-Entwicklung zur effektiven Komprimierung von Musik. Audio-Dateien werden so komprimiert, dass sie möglichst wenig Speicherplatz benötigen, die klangliche Qualität aber so weit wie möglich nicht vermindert wird. Mittels innovativer Digitaltechnik komprimiert MP3 Audio-Daten auf ein Zehntel bis zu einem Zwölftel ihrer Größe, d. h. die Datenmenge wird um ca. 90 Prozent reduziert, und das in digitaler Qualität. Der Trick bei der Umwandlung analoger Musik in digitale MP3-Files ist ein Kompressionsverfahren, das überflüssige Informationen herausfiltert. Töne, die das menschliche Gehör gar nicht oder kaum wahrnimmt, werden weggelassen. Damit werden erhebliche Mengen an digitalen Daten eingespart.
Missbräuchliche Verwendung von MP3-DateienDas neue Datenkomprimierungsverfahren MP3 eröffnete bis dahin ungeahnte Möglichkeiten, Musikstücke über das Internet zu verbreiten. Diese im Prinzip positive Errungenschaft wurde und wird jedoch auch missbräuchlich verwendet, indem Musik kostenlos ohne das Einverständnis der Rechteinhaber im Internet verbreitet wird. So startete etwa der College-Student Shawn Fanning 1999 das Filesharing-Programm „Napster“. Das Napster-Prinzip lebte davon, dass jeder eingeloggte User MP3-Dateien, die er auf der Festplatte gespeichert hat, freigibt. Diese Software und andere Nachahmer, wie z. B. Gnutella, Morpheus, eDonkey, Limewire, Kazaa oder Grokster, haben sich international schlagartig verbreitet. Aber alle diese „Tauschbörsen“ funktionieren ausschließlich auf Kosten der Künstler, Urheber und Labels, deren Musik der „Treibstoff“ dieser Plattformen ist. Ihr „geistiges Eigentum“ wird ignoriert und sie werden auch um den Lohn für ihre kreative Arbeit gebracht. Es war daher nicht überraschend, dass gerichtliche Musterverfahren wegen der Verletzung des „geistigen Eigentums“ durch Tauschbörsen eingeleitet wurden. Ein US-Gericht entschied, dass das Kopieren und Verbreiten von geschützter Musik über Napster eine Copyright-Verletzung darstellt und nicht nur die Filesharer selbst, sondern auch die Betreiber von Napster dafür haften. Napster ist mittlerweile ein lizenzierter Online-Shop.
Während die Musik- und Filmwirtschaft gegen Eingriffe in das „geistige Eigentum“ mit rechtlichen Mitteln vorgeht, streiten Musik- und Filmtauschbörsen jede Verantwortung dafür ab, dass auf ihren Netzwerken Musik und Filme kostenlos und ohne das Einverständnis der Rechteinhaber im Internet verbreitet werden. Anbieter von Tauschbörsen sind der Meinung, dass sie keine Verantwortung dafür tragen, was ihre User tun. Aus den bisherigen Musterverfahren ist – trotz unterschiedlicher Fälle und Rechtsordnungen – doch eine gemeinsame Aussage ableitbar: Es ist nicht erlaubt, Musik ohne Zustimmung der Rechteinhaber ins Internet zu stellen. Heute wissen wir, dass die Entwicklung von MP3 einen entscheidenden techno - logischen Fortschritt bedeutet. Bis heute hat kein anderes Format MP3 als digitalen Musikdatenträger ablösen können. Für den mit großen Investitionen verbundenen Aufbau eines legalen digitalen Musikvertriebs über das Internet waren neue gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig, die das Urheberrecht den geänderten Anforderungen angepasst haben. Vor allem ebneten die EU-Copyright-Richtlinie und andere Neuerungen im Urheberrecht den Weg zur Entwicklung des Online-Musikmarktes mit legalen Angeboten.
Legale Musikdownload-Shops in Österreich Im September 2003 ist der erste österreichische kostenpflichtige Download-Shop online gegangen und hat damit die Entwicklung des Online-Marktes für Musik in Österreich eingeläutet. Musikkonsumenten können seither legal gegen ein Entgelt Musikstücke im Internet erwerben. Die legalen Shops sind aufgrund von Lizenzen berechtigt, Musik zum Download anzubieten. Von jedem Online-Verkauf erhalten Künstler, Urheber und Labels einen gewissen Anteil. Legale Online-Musikshops sind ein einfacher, legaler und kostengünstiger Weg, Lieblingssongs in digitaler Qualität über das Internet zu kaufen. Das Musikangebot ist heute vielfältig und richtet sich an jeden Geschmack. Im Jahr 2010 gibt es bereits mehr als 20 legale Online-Musikshops. Mehr als 11 Millionen Titel stehen zum Download bereit.
Zukunftsmusik Die Musikwirtschaft verbindet mit dem Internet große Zukunftshoffnungen. Schließlich ermöglicht das Netz neue Vertriebswege für Musik. Die digitalen Musikformate bringen den Vorteil, alle Titel eines Künstlers, den so genannten Backkatalog, immer vollständig anbieten und jederzeit elektronisch liefern zu können. Dennoch hat auch der Online-Musikmarkt eigene Regeln, die die Musikschaffenden beachten müssen. Der Künstler muss auch speziell für das Internet entdeckt, aufgebaut und vermarktet werden. Nur „im Netz zu sein“ bedeutet keine Garantie, dass die Nutzer auch auf den Künstler aufmerksam werden. Im Gegenteil: Es ist manchmal sogar schwieriger als in der Offline-Welt.
Musikangebote im Internet passen sich flexibel den Bedürfnissen und Lebensgewohnheiten der Konsumenten an. Die Musikbranche versucht nicht, das CD-Vermarktungsprinzip einfach zu kopieren, sondern netzspezifische Inhalte für Musik zu generieren und völlig neue Angebote zu entwickeln – mit dem Bestreben, Musik in so vielen Kanälen wie nur denkbar anzubieten. War es vor einigen Jahren noch üblich, Musikaufnahmen in nur wenigen Formaten zu vertreiben, so werden Songs und Alben heute in dutzenden – in manchen Fällen sogar hunderten – verschiedenen Formaten und Produktvariationen angeboten: Downloads einzelner Songs und Videos oder kompletter Alben mit zahlreichen Zusatzfeatures sowohl übers Internet als auch übers Handy, Musik-Abos, Streamingdienste, Klingeltöne, Wallpapers, Konzertaufnahmen auf USB-Sticks, Super-Deluxe-CD Editionen, Musik-Lizenzierungen für TV-Sender, Filme, Games, Werbe- und Sponsorkooperationen bis hin zu Merchandising-Produkten wie Künstler T-Shirts, um nur einige zu nennen. Viele neue Angebote am Musikmarkt setzen auf „Streaming“. Hier wird Musik nicht mehr auf die Festplatte gespeichert, sondern via Internet übertragen und abgespielt. Musikfans können dabei ihr Wunschprogramm selbst bestimmen und aus Millionen von Songs jene auswählen, die sie gerade hören wollen – und das an jedem Ort auf unterschiedlichsten Abspielgeräten wie MP3-Player, Handy oder am Computer. Tunesbag, Simfy oder Spotify sind einige Beispiele für solche Angebote. Die Geschäftsmodelle dahinter können unterschiedlich sein. Manche verrechnen Abo-Gebühren, manche bieten Teile ihrer Dienste kostenlos an und verrechnen nur Premiumpakete, andere wiederum können völlig kostenlos genutzt werden, dafür muss der Benutzer jedoch Werbeeinschaltungen in Kauf nehmen. Viele Experten gehen davon aus, dass der „Zugang zu Musik“ anstelle des „Besitzes von Musik“ in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.
Bei all ihrer Innovationskraft sind diese neuen Angebote oft noch im Experimentierstadion und niemand weiß heute genau, welches Modell im Online-Business künftig am besten funktionieren wird und wie Künstler und die Kreativwirtschaft auch entsprechende Einnahmen erzielen können. Denn derzeit sind die Erlöse aus Streaming-Angeboten noch sehr bescheiden. Vieles spricht für eine breit gefächerte Mischung verschiedener Angebotsarten und nebeneinander existierender Geschäftsmodelle. Eines haben jedoch alle gemeinsam: möglichst direkt und nahe auf die Bedürfnisse der Musikfans einzugehen. Egal welche Form des Musikkonsums sich durchsetzen wird – ohne Inhalt ist jede Technologie wertlos. Musik als digitales File oder auf Tonträger: Das wirklich Wertvolle an einer Musikproduktion ist und bleibt das dahintersteckende Know-how, also der intellektuelle, kreative und emotionale Inhalt. Die bessere Verfügbarkeit von Musik durch den Online-Musikmarkt wird neue Freiheiten für Konsumenten bringen.
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