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Immer wieder spricht man von Filmen, die man gesehen haben „muss“: Was ist jedoch unter dem Begriff „Filmkanon“ zur verstehen – was müssen die dort enthaltenen Filme können und vor allem wer bewertet und nach welchen Kriterien? Schließlich ist die Bewertung, was einen „guten“ Film ausmacht, zwischen Filmkritiker, Cineast oder gewöhnlichem Kinogeher oft sehr unterschiedlich.
„A canon has the weight of impersonal, collective, institutional authority [...] A canon is always the result of a broad survey of serious opinions.” Adrian Martin, Filmkritiker „the age“ Die Beschäftigung mit Filmgeschichte kann immer als Versuch gewertet werden, Wichtiges, Typisches, Hervorragendes oder Relevantes zu bestimmen, um eine Ordnung und Hierarchie zu schaffen. Nicht alles, was ein Kanon enthält, muss unbedingt relevante Filmgeschichte sein. Oftmals bevorzugen solche Filmlisten Spielfilme gegenüber Dokumentar- oder Avantgardefilmen. Die Differenzierung erfolgt entweder nach wirtschaftlichen Kriterien (z.B. nach Box Office Zahl und offiziellem Erfolg – der sog. „Star Wars- Kanon“) oder reflektiert bestimmte, historisch für bedeutsam gehaltene Filme (so genannter „Citizen Kane-Kanon“). 2003 wurde etwa in Deutschland eine solche „verbindliche“ Liste von 35 Filmen von einer 19-köpfigen Expertenkommission für die Schulen erarbeitet, als Basis für die Auseinandersetzung mit dem Medium Film.
In Österreich erschien im Jahr 2004 in der Zeitschrift „profil“ ein Kanon mit den „50 wichtigsten Filmen“. Listen wie die genannten enthalten regelmäßig alles, was für den Cineasten audiovisuelle „Pflichtlektüre“ darstellt – von F.W. Murnaus „Nosferatu“ über Charles Chaplins „Goldrausch“, die russischen Klassiker wie „Sergej Eisenstein“, „Citizen Kane“ bis hin zu Akira Kurosawas „Rashomon“. Es steht natürlich außer Frage, dass diese Filme das Medium in technischer oder formaler Hinsicht vorangetrieben haben, dass sie bestimmte Regisseure (etwa den jungen Orson Welles) als bestimmende Kräfte des Kinos etabliert haben, oder dass sie, wenn sie schon keine besonderen künstlerischen oder technischen Qualitäten aufweisen, zumindest ideologische oder kulturelle Relevanz besitzen.
Verschiedentlich wurde der Versuch gemacht, auch das „gewöhnliche“ Publikum bei der Wertung von Filmen und hinsichtlich ihres filmischen Wissens zu evaluieren, so etwa bei einer Befragung von 300 Schülerinnen und Schülern im Jahr 2005. Wenig überraschend war das Ergebnis von den cineastisch verbrämten Listen weit entfernt. Aufgrund des offensichtlich fehlenden Basiswissens wurden nahezu ausschließlich Filme genannt, die dem aktuellen Blockbuster-Kino entnommen waren: „Lord of the Rings“, „Matrix“, „Pulp Fiction“, „Kill Bill“, „Sin City“ etc.
Letztlich bleibt jeder Kanon nur ein Hilfsmittel, um von jedem Filminteressierten begutachtet, angenommen oder verworfen zu werden. In einer von audiovisuellen Medien dominierten Welt ist gerade für Jugendliche ein bewusster Umgang mit Film unverzichtbar. Es sollte aber auch darauf geachtet werden, dass die filmische Bildung nicht alleine darauf beruht, Klassiker einfach zu zeigen – ausschließlich programmatische Vermittlung ohne Begeisterung ist Zeitverschwendung.
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