Bedeutung des Films in der Gesellschaft


Keine andere Kunstform hat das 20. Jahrhundert so geprägt wie die Kunstrichtung Film. Erstmals war es möglich, Fotos in bewegte Bilder zu übersetzen und mit Sprache, Musik und Schnitt in eine Komposition zu bringen.

In den Kindertagen des Films war Europa noch Vorreiter des jungen Mediums – man denke nur an den österreichischen Monumentalfilm „Sodom und Gomorra “ aus dem Jahr 1922. Diese Rolle wurde bald von den USA übernommen. Heute ist der US-Film in Europa mit über 75 Prozent Marktanteil dominant. 

Für diese Dominanz gibt es mehrere Gründe:

  • Film ist teurer und daher in einem großen einheitlichen Wirtschafts- und Sprachraum kostengünstiger und wirtschaftlicher zu produzieren. Der US-Wirtschaftsraum verfügt über entsprechende Finanzierungssysteme.
  • Ein weiterer Grund ist der amerikanische "Way of Life", der gerade durch US-Film und Musik im Nachkriegseuropa den europäischen Lebensstil nachhaltig geprägt hat.



Das Erfolgsmodell des US-Films ist zu einem nicht unwesentlichen Teil durch das vom
Nationalsozialismus verursachte Zwangsexil österreichischer Kreativer beeinflusst –
ein „Aderlass“, von dem sich der österreichische Film erst im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts lösen konnte. Viele große Namen der amerikanischen Filmgeschichte kommen aus Österreich: Billy Wilder, Erich von Strohheim, Otto Preminger, Fred Zinnemann, Eric Pleskow etc.

„Die Filmindustrie ist Kern unserer Kultur und unserer Werte. Die Bilder des Films und des Fernsehens sind der Spiegel, in dem wir uns betrachten und das Fenster, durch welches wir das Leben der anderen sehen. Die Frage, die wir uns daher stellen müssen lautet: Werden wir diese Bilder in Zukunft selbst herstellen, oder werden wir nur als passive Betrachter daneben stehen, die sich die Bilder anschauen, die andere für sie produziert haben?“

Gerard Depardieu, französischer Schauspieler


Die heimische Filmlandschaft reicht von Publikumshits wie Niki Lists „Müllers Büro“ in den Achtzigerjahren, über Komödien wie „Indien“ und „Hinterholz 8“ in den Neunzigern bis zu den Werken des neuen Jahrhunderts von Regisseure/innen wie Michael Haneke, Ulrich Seidl, Barbara Albert und anderen (Mehr zu diesem Thema im Internet unter www.afc.at und www.filminstitut.at).

Ein Beispiel: Die Michael Haneke-Verfilmung des Elfriede Jelinek-Romans „Die Klavierspielerin“ lockte in Österreich über 100.000 Besucher, international aber mehr als 2 Millionen Besucher in die Kinos – für einen anspruchsvollen österreichischen Film ein beachtlicher – wirtschaftlicher und künstlerischer – Erfolg.

Die Filmwirtschaft ist genauso im Umbruch wie die Musikwirtschaft – die klassischen Medien Kino, Fernsehen, Video- bzw. DVD-Verleih werden immer mehr durch Online-Angebote, audiovisuelle Formate für Mobiltelefone und andere Innovationen ergänzt werden. Tendenziell könnte die Entwicklung weg vom „Blockbuster“ hin zu individuellen, das regionale und kulturelle Umfeld des Sehers berücksichtigenden Filmen gehen. Der Erfolg heimischer Dokumentarfilme wie „We Feed The World“ zeigt, dass sich die Zuschauer auch im Kino mit anspruchsvollen Themen beschäftigen wollen. Von der Dynamik dieser neuen Märkte kann auch die kleine, aber flexible und innovative österreichische Filmindustrie profitieren.




"Kulturpolitisch ist gerade Film ein Imageproduzent erster Ordnung. Ein kleines Land wie Österreich, das nicht im Zentrum internationaler Aufmerksamkeit steht, braucht eine adäquate Positionierung, die heute vorrangig über audiovisuellen Inhalt erreichbar ist, der von Geschichte, Lebensumständen, Denkweisen und Befindlichkeit eines Landes erzählt."

Danny Krausz,Produzent (DOR-Film)